Die zum "Schockschaden" entwickelten Grundsa?tze sind auch im Fall einer fehlerhaften a?rztlichen Behandlung anzuwenden (BGH, Urt. v. 21.05.2019 - VI ZR 299/17)

Die Kla?gerin nahm die Beklagte nach einer a?rztlichen Behandlung ihres inzwischen verstorbenen Ehemannes (im Folgenden: Patient) aus origina?r eigenem Recht auf Schadensersatz in Anspruch mit der Behauptung, der Patient sei in dem von der Beklagten betriebenen Krankenhaus grob fehlerhaft behandelt worden und habe deshalb mehrere Wochen in akuter Lebensgefahr geschwebt, weshalb sie - die Kla?gerin - massive psychische Beeintra?chtigungen in Form eines depressiven Syndroms mit ausgepra?gten psychosomatischen Beschwerden und Angstzusta?nden erlitten habe.


Der Patient ließ am 27. April 2012 in dem von der Beklagten betriebenen Krankenhaus eine Koloskopie mit Polypektomie durchfu?hren. Am 28. April 2012 wurde eine Darmperforation festgestellt; in der Folgezeit kam es zu einer Peritonitis. Nach einem konservativen Therapieversuch wurde am 30. April 2012 eine Laparoskopie und am 3. Mai 2012 eine Laparotomie durchgefu?hrt. Ein Gutachten zum Ergebnis, zwar handle es sich bei der Perforation des Darmes um eine schicksalhafte Komplikation der Koloskopie, grob fehlerhaft sei es aber gewesen, den Darmwanddefekt drei Tage nach der Perforation im Stadium der Entzu?ndung laparoskopisch zu u?berna?hen.


Der BGH führt aus: Die zum "Schockschaden" entwickelten Grundsa?tze sind auch in dem Fall anzuwenden, in dem das haftungsbegru?ndende Ereignis kein Unfallereignis im eigentlichen Sinne, sondern eine fehlerhafte a?rztliche Behandlung ist. Eine Rechtfertigung dafu?r, die Ersatzfa?higkeit von "Schockscha?den" im Falle a?rztlicher Behandlungsfehler weiter einzuschra?nken als im Falle von Unfallereignissen, besteht grundsa?tzlich nicht.